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Interview
24.01.2020 19:38 Uhr
Virologe Christian Drosten zum Coronavirus

Berlin, 24.01.20: Das Coronavirus in China breitet sich weiter aus. Charité-Virologe Christian Drosten erklärt, wie gefährlich das Virus ist. O-TON Christian Drosten, Charité-Virologe «Es ist sehr schwer im Moment, zu sagen, wie gefährlich das insgesamt ist. Das, was wir derzeit betrachten können, sind die Meldezahlen. Da gibt es eine Zahl von Patienten, die infiziert ist, und eine Zahl, die gestorben ist. Wir haben gleichzeitig aber Effekte, die diesen Eindruck in beide Richtungen verfälschen. Der erste ist, dass wir am Beginn einer Infektion die Epidemie immer als schwerer überschätzen. Das liegt einfach daran: Die auffälligen Fälle fallen auf, und die Unauffälligen gehen nicht in die Statistiken ein. Und das sind die Milden, die überleben. Gleichzeitig haben wir im Moment noch einen zeitlich beschränkten gegenläufigen Effekt: Von den jetzt gelisteten Fällen sind einige gestorben, es sind aber noch sehr viele Menschen mit nachgewiesener Infektion sehr krank. Es ist ein bisschen hart, das zu sagen, aber es werden natürlich auch von denen noch Patienten versterben.» Die Zahl der Infektionen schnellt derzeit schneller nach oben als in der Anfangsphase von Sars - warum? O-TON Christian Drosten, Charité-Virologe «Man kann darüber nur mutmaßen. Eine Sache hat sich seit Sars ganz besonders verändert: die Mobilität der chinesischen Gesellschaft. Man muss für eine Erklärung vielleicht gar nicht unbedingt beim Virus ansetzen und seiner Unterschiedlichkeit, sondern eher an dieser Stelle. Und da kann man natürlich dann hoffen, dass Maßnahmen wie die Reisebeschränkungen einen positiven Effekt haben.»

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