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Zu viel Essen landet im Müll
29.05.2019 23:05 Uhr
Lebensmittel: Im Kampf gegen die Verschwendung

Berlin, 30.05.19: Das alles wäre beinahe in der Tonne gelandet. Diese Weihnachtsschokolade und auch diese Chips von der letzten WM. Bei Sirplus in Berlin bekommen Lebensmittel eine zweite Chance. Die meisten waren in diesem außergewöhnlichen Supermarkt sind entweder abgelaufen oder einfach nicht hübsch anzuschauen. O-Ton Kunde «Ja, man kann das immer noch essen. Warum sollte man das wegschmeißen?» O-Ton Kundin «Es gibt auch Lebensmittel, die ich mir sonst nie leisten würde und die ich mir sonst gar nicht angucke.» Die Idee zu diesem außergewöhnlichen Supermarkt hatte Raphael Fellmer. Mittlerweile betreibt der Berliner drei Märkte sowie einen Onlineshop. O-Ton Raphael Fellmer, Supermarktbetreiber «Viele Leute haben das Vorurteil, dass Lebensmittel, die abgelaufen sind, für Bedürftige sind, und dass man die am liebsten nicht isst. Und wir wollen die abgelaufenen Lebensmittel aus der Nische in die Mitte der Gesellschaft tragen.» Wie lange ein Produkt nach dem Überschreiten des Mindesthaltbarkeitsdatums noch gegessen werden kann verwundert so manchen Kunden. O-Ton Rentnerin «Sauce Hollandaise - und da ist 2018 im März abgelaufen. Da hab ich schon einen Schreck gekriegt, dass man so weit zurück noch etwas essen kann.» Ausprobieren tun das wahrscheinlich die wenigsten. Aus diesem Grund sind im Jahr 2015 knapp sieben Millionen Tonnen Lebensmittel aus den Haushalten direkt in die Mülltonne gewandert. Und das ist mehr als bei allen Bauern, Lebensmittelverarbeitern, Großhändlern, Supermärkten und der Gastronomie zusammen. O-Ton Raphael Fellmer «Deckel ist nicht aufgewölbt. Ein bisschen Staub drauf. Der Plop. Dann kann man riechen. Ah, riecht super. Schmeckt auch noch einwandfrei, ja. Ist wahrscheinlich auch noch in ein paar Monaten bestens genießbar.» Fellmer bezieht seine Produkte hauptsächlich direkt aus dem Handel. Täglich tragen seine Mitarbeiter mehrere Hundert Kilo Lebensmittel zusammen, die sonst im Müll gelandet wären. In einem Zentrallager wird dann geprüft, ob die Produkte noch genießbar sind. Und von hier gehen die abgelaufenen Lebensmittel dann in die Supermärkte. Weggeworfen wird aber nicht nur im Handel und zu Hause. Auch in Hotels und in Restaurants bleibt eine ganze Menge über. Viele Betriebe in dieser Branche wollen daran etwas ändern. Nicht zuletzt, um Geld zu sparen. Hier kommt Torsten von Borstel ins Spiel. Als Geschäftsführer des gemeinnützigen Vereins «United Against Waste» berät er Küchen, die die ihren Müll reduzieren möchten. Am Anfang ein jeder Beratung steht die Analyse. Dazu schaut sich Borstel unter anderem den Müll an. Im nächsten Schritt dann werden die Lebensmittelabfälle rund sechs Wochen lang in transparente Gefäße gefüllt. O-Ton Torsten von Borstel, Müll-Experte «Man sieht, was tatsächlich jeden Tag anfällt, und es macht dann auch ein schlechtes Gewissen und automatisch wird das Bewusstsein dahingehend geschärft und gleichzeitig wird dann auch weniger weggeschmissen.» Die Bundesregierung möchte erreichen, dass bis 2030 nur noch halb so viel Essen im Müll landet. Die Lösungsansätze dafür könnten dann Vordenker wie Torsten von Borstel und Raphael Fellmer liefern.